U+220E (∎)



20-Aug-08 22:59.
Die Geräusche sind nie sofort da, nie sofort weg, sie hallen nach, sie reisen langsam, sie kommen langsam füllend, zeitversetzt, der Körper ist immer etwas schneller als der Schall. Die Gerüche sind sofort da, Maschigemüse. Er riecht dann hört er das klirrende reiben des Geschirrs, sie sitzt schon. Durch die halboffene Küchentür fällt etwas Gelb in den graulichtigen Tunnel des Flures. Er beobachtet sie, wie sie die Teller stellt, das Besteck.

04-Aug-08 02:44.

von Lars H. Beuse


  „Aber wenn von einer lang zurückliegenden Vergangenheit nichts mehr übrig ist, nach dem Tode der lebendigen Wesen, nach der Zerstörung der Dinge, verweilen ganz alleine, viel fragiler, aber lebenskräftiger, immaterieller, ausdauernder, treuer, der Geruch und der Geschmack noch lange Zeit, wie Seelen, entsinnen sich, warten, hoffen, auf den Ruinen von allem übrigen, und tragen, ohne zu wanken, auf ihren kaum wahrnehmbaren Papillen den ungeheuren Bau der Erinnerung.“ (Marcel Proust, Combray S. 72, Übersetzung von Michael Kleeberg, 2002)

 

bk.jpg Nahe Wachendorf einem kleinen Eifelort, zur Gemeinde Mechernich gehörend, kaum 40km von Köln entfernt, findet sich eine echte Rarität postmoderner Architektur - die Bruder Klaus Kapelle.

Der Verzicht auf jegliche modische Verrenkung und verkitschte Dekonstruktion ist zumthortypisch genial in seiner Konsequenz und Komplexität. Beeindruckend ist darüber hinaus die Verwendung beinahe natürlicher Baustoffe, der Verzicht auf allzu ausgefallenes Material. Nicht nur hinsichtlich des strukturbildenden Materials, sondern auch hinsichtlich des eigentlichen Bauprozesses. In der Gesamtbeschau ergibt sich so eine gelungene Synthese. Eine sehr sinnliche Angelegenheit, haptisch, akustisch, visuell und olfaktorisch. Insbesondere der Brandgeruch im Innenraum, der bewusste Einsatz von Geruch, noch dazu als zeitbasiertes Strukturmerkmal, ist eine einzigartige, geniale Komponente, wie man sie nur sehr selten findet.

13-Jul-08 20:23.

Der Kanalarbeiter an den werten Rezipienten.

"Das was du darin siehst, siehst DU darin weil DU es in DIR trägst, wenn DU diese Wahrnehmung dem "Künstler" zuschreibst, als wolle er etwas über sich damit sagen, dann belügst du dich, denn du kannst den Versuch der Zuschreibung nur unternehmen, weil DU immer nur DIR selbst im Werk begegnest. Kunst ist eine Lüge, eine rudimentäre Beschreibung des Bestehenden, bestenfalls ein guter Witz, schlimmstenfalls betäubt sie deinen Verstand, es gibt in Wahrheit nur Dich und deine kümmerliche Existenz, die DIR immer und immer wieder begegnet. An der "Deadline" angekommen, mit einem Schritt über der Linie, kurz bevor du den anderen Fuß nachziehst, wenn du noch einmal über die Schulter blickst, dann wirst DU es wissen, dass es ganz allein dein Werk war, was dir nur als das Werk eines Anderen erschien."


10-Aug-08 01:55.
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Zugegeben, es gäbe kultigere Zeiten als das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends, nun ja, man muss sich sicherlich auch ertsmal an den post- post- post- dizzy- ageismus gewöhnen. Zeit um an etwas kultigere Zeiten zu erinnern, dies waren musikalisch gesehen, zweifellos die 80er. In loser folge werde ich, punx, euch, soweit frei im Netz verfügbar, hier keine schwülstige Erinnerung eines selbst in den 80ern maßgeblich länger gewordenen präsentieren, sondern vielmehr einen Blick auf das was in dieser Epoche tatsächlich Aufbruch war ermöglichen. Also wer an Ü30 Party denkt, der kauft sich besser ein Überraschungsei, und schluckt den Inhalt runter. Hier also die ultimative Mythenrauschen Radio 80er Beschau.


    Dieser epochale, unendliche Beitrag wurde zuletzt upgedated am:
  • 18.08.2008

16-Jul-08 11:33.



"Calling the Glacier" von Kalle Laar, gehört auf dem LyrikPark in Hildesheim Juli2008
Ruf mich an +498937914058 ich schmelze!

"Calling the Glacier" von Kalle Laar

 

Text Lars H. Beuse

Kalle Laars Arbeit setzt ganz bewusst auf das Telefon um den Klimawandel gleichsam rauschen zu lassen, denn das Telefon, das dauernde belanglose Palavern am (Mobil)telefon ("Ja, du, in 1 Minute klingel ich an deiner Haustür wollt ich dir nur kurz sagen. Jo, ich drücke dann auf. Ruf mich halt nochmal kurz an wenn du im Treppenhaus bist.") ist längst so alltäglich und unverbindlich geworden wie scheinbar auch der Klimawandel. Das Telefon bietet hinsichtlich der Materialität der Arbeit aber noch eine weitere Komponente, nämlich die der Übertragung: Das Schmelzwasser des Ferners strömt von weit her direkt in das Ohr des Anrufers, feucht wird es im Ohr deshalb noch lange nicht. Es bleibt diese verzweifelte Distanz, dieses nicht "sehen" können, dieses in Sicherheit wähnen, trotz all der bekannten Fakten. Hier zeigt der Schall seine Qualität als abstraktes Medium, doch man könnte auch noch einen Schritt weiter gehen, denn eigentlich reicht schon fast das Wissen um die Möglichkeit des Anrufes, man muss es nicht hören. Es werden Denkprozesse getriggert, keine vorgefertigten Bilder geliefert, so wird das Schmelzrauschen des Gletschers zu einer Hymne wider den entfernten und banalisierten Klimawandel, der in der popkulturellen und poppolitischen Praxis nur als „Hey wir tun doch alles“ Betroffenheitsritual eine Rolle spielt, nicht aber auf der Ebene der tatsächlichen Handlungsweisen.

5
31-Jul-08 17:16.
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Lost Sequenz
11. and last
we believe the noise will remain constant as physically generated loop, found by a fluke, morphed through time into an idea of space and time, to regain consciousness again. (Version II/ AKA "Next Stop Kierberg")




(c)mythenrauschen.net2008
05-Aug-08 00:49.
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Wird ein Schiff kommen? Mythenrauschen sucht Sponsoren, denn wir wollen ein Schiff vergraben. Schiffe vergraben und in der Imagination wieder Flott machen, wer da an Schiffe versenken denkt ist fehlgeleitet.

Ein schriftliches .pdf Expose kann unter
support@mythenrauschen.net angefordert werden.
01-Jul-04 17:00.
Tags:
trust_me2Bemerkenswert ist, dass ein Gefühl der Stärke - des Vertrauens, welches so wichtig ist, auf sehr komplexen und feingliedrigen Bedingungen aufbaut. Diese Fragilität des Vertrauens führt dazu, dass es leicht in Frage gestellt werden kann, häufig kommen so Kettenreaktionen zu Stande die ganz erhebliche biographische Folgen im Leben des Einzelnen haben.
02-May-06 17:00.


9.jpgDer Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Daß es “so weiter” geht, ist die Katastrophe. Sie ist nicht das jeweils Bevorstehende, sondern das jeweils Gegebene. […] Die Rettung hält sich an den kleinen Sprung in der kontinuierlichen Katastrophe." [ Walter Benjamin, Gesammelte Schriften. Bd. I, 2, S. 683 ]
15-Jul-08 14:54.




Unsere Installation "[Konjunktiv]Grabung" hat viele interessante Diskussionen und Gespräche ausgelöst. Eines fanden wir besonders interessant, denn plötzlich stand (zufällig ;)) Hans vor uns. Hans der Hunsrücker, der nun in Hildesheim lebt, und noch dazu als Sargträger arbeitet (wie er uns erzählte).

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