Beetween the Wars - 80er Theorie (ohne ü)
text lars.h.beuse 08/2008
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update 02.10.2008:bring back the revolution
Nix Ü
Zugegeben, es gäbe kultigere Zeiten als das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends, nun ja, man muss sich sicherlich auch ertsmal an den post-post-post-dizzy-ageismus gewöhnen. Zeit um an etwas kultigere Zeiten zu erinnern, dies waren musikalisch gesehen, zweifellos die 80er. In loser folge werde ich, punx, euch, soweit frei im Netz verfügbar, hier jetzt also echten 80er Kult präsentieren, und klar das ist keine schwülstige Erinnerung eines selbst in den 80ern maßgeblich länger gewordenen, sondern vielmehr ein Blick auf das was in dieser Epoche tatsächlich Aufbruch war. Also wer an Ü30 denkt, der kauft sich besser ein Überraschungsei, und schluckt den Inhalt runter. Hier also die ultimative Mythenrauschen Radio 80er Beschau
Farben
In der Postpunkära der 80er kommt man natürlich um Wave und die ersten populären Stücke dieser durchaus als elektronisch zu bezeichnenden Musik nicht herum, damit mir auch gleich die Farbgebung dieser Epoche einatmen können macht die bis auf dieses eine Lied fast in vergessenheit geratene Formation "Visage" den Auftakt. Hier also
"Fade to grey" (1980):
Visage
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Knipsen
Tja nun Siouxsie and the Banshees (wer war noch mal madonna? hm - egal!) - Red Light von 1980, ist ein ebenso kalter wie neuer Sound gewesen, die Stimmgewalt, die sich zeitweise gekonnt überschlägt, gemischt mit sinnentlehrt, rythmischen Synthesizer, geknüpft an das Paparazzi Elend, na - das sind die glatten Oberflächen einer kurzen Epoche, die aus dem Punk in die Sterilität, geometrischer Oberflächen flüchtet um in einer Kaskade der schillernden Depression unterzugehen, Ronald Wilson Reagan zu wählen, und Kohl zu zementieren. Im Blitzlicht der erstarkenden, endgültig zur ersten Macht avancierenden Werbeindustrie, zerinnen die Träume des Punk in den Quarzen der Sanduhr. Der Punk in der Überbelichtung.
"Red Light" von (1980):
Siouxsie and the Banshees
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Nato Doppel Beschluss
Nun, wir hätten damit zwei Hymnen des neuen, nun ja Pop mal erneut gesehen. Zeit für einen kleinen brake oder Bragg denn "Between the wars" dürfte zumindest einen Teil des "80er Kalten Kriegs Gefühls", auf den Punkt bringen. Auch die Songwriter Fraktion stürmte den PopOlymp. Durch die Konservative US Regierung, die auf Nachrüstung und das junge SDI Programm bestand kam es zu einer Beschleunigung des Kalten Krieges. In Deutschland kündigte sich die größte Friedensbewegung aller Zeiten an, Millionen waren auf Demonstrationen um die Nachrüstung zu verhindern. Letztlich stürzte Schmidt über den NatoDoppelBeschluss. Zwischen den Kriegen, Zwischen den Stühlen. Es war lange vorher absehbar, dass die Staatkapitalistische UdSSR nicht in der Lage sein wird ohne tiefgreifende Veränderungen bestehen zu können. Nun, dann kam ja auch "die Wende" von der man heute allerdings weitgehend geheilt sein dürfte, Kohls Wiedervereinigung hat sich handwerklich als echte politische Schlamperei gezeigt, Russland ist auf dem Weg in die Diktatur, letztlich sind wir da wo es anfing nämlich:"Beetween the Wars (1983)"
Billy Brag
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Kostümfest
Nun ja es gab dann auch die Stücke und Performances die irgendwie probiert haben bestimmte Punk Elemente in den allgemeinen Pop zu retten, dabei blieben dann irgendwie gitarrenähnliche Klänge und eine dunkle, treibende Percussion. Zur kalten, glatten visuellen Ästhetik der Videos, gesellte sich wie schon bei "Fade to Grey", das gewisse Morbide, das etwas, so würde man heute wohl sagen, fantasylastige. Doch wer genau hinschaut erkennt weiter die glatte, sterile Oberfläche. Dennoch ließ sich eine Lust am Kostüm erkennen, die nicht allein, wie zuvor einfach Ausdruck eines Lifestyes war, sondern eben inszenatorisches Mittel war. Wohl wenige haben dieses Element so auf die Spitze getrieben wie Adam & The Ants mit"Stand and Deliver (1981)"
Adam & The Ants
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Genie und Gender
Nun gut, doch die 80er haben auch wahre Genies hervorgebracht, MusikerInnen, Stimmungen und eine Aesthetik, die weit über dieses Jahrzehnt hinausweisen, und die Fähigkeit bewiesen haben vollkommen neue Wege über einen Hit hinaus zu gehen. Einer der Größten, den dieses Jahrzehnt letztlich hervorgebracht hat, der es aber auch geprägt hat wie kein anderer ist "Prince". Waren seine ersten Alben 4u, Prince, Dirty Mind, Controversy noch relativ begrenzt auf den amerikanischen Markt wurde er mit dem 1984er Album "Purple Rain" entgültig zum "Weltstar". Seine Musik speiste sich letztlich aus elektronisch bereichertem Jazz, der um Pop, und Soul Einflüsse erweitert wurde. "Schwarz" klang diese Musik zunächst nicht, es sei denn man war bereits mit Herbie Hancock vertraut. Das Thema "Gender" stand mit Prince, der permanent mit der Geschlechterdifferenz spielte, plötzlich auf der Pop Speisekarte, in einer zuvor der Masse gänzlich unbekannten Geschmacksrichtung. Es war angerichtet und wir kosten nun von"When Doves Cry (1984)"
BRING BACK THE REVOLUTION bring back the revolution
Prince
Uploaded @ youtube by crazymuthaphukr
Punk's not dead
Doch liebe Freunde es gab auch in dieser knallbunten, werbeverseuchten, kalten Zeit noch Hoffnung auf etwas Echtes, Ursprüngliches und Authentisches. Ja, es gab tatsächlich auch in den achtzigern Bands die noch wirkliche Instrumente spielten und nicht vollkommen der neues Video- und Synthesizerästhetik erlegen waren. Gleichzeitig aber waren dies auch Bands, die nicht einfach den Hippie oder Punkkram weiter spielten, es gelang ihnen Punk um neue Definitionen, einen satteren, fetteren Sound zu bereichern und eine ungeahnte Melodieverliebtheit ins Spiel zu bringen. Auch die Texte kreisten nicht wie bei den "Sex Pistols" um individuelle Leiden, Orgie, allerwelts Forderungen wie "Anarchy for the UK" und Provokationen, sondern artikulierten, sozusagen "seriöse Gesellschaftkritik", klarere differenziertere Texte also ;). Wie kaum einer anderen Formation gelang den "Dead Kennedys" das notwendige "Punk Update", ohne in die spiegelnde Oberfläche des nurmehr Pop oder Wave abzugleiten. Und so wundert es wenig wenn diese Formation sich wünschte MTV möge doch bitte endlich den Äther verlassen. Eine prophetische Forderung, die sich gegen die, heute klar vorhandene Allmacht, des Senders wendet. Aus den Lyriks: "Forget honesty, Forget creativity, The dumbest buy the mostest, That's the name of the game" (womit jetzt auch noch ein letztes mal Madonna erähnt wird.)"MTV get off the air (1985)"
Dead Kennedys
Uploaded @ youtube by danny521
Daheim ist es doch am schönsten?
Nun, es lohnt sich am Rande auch mal auf die Entwicklungen in Deutschland zu schauen. Hier entstand die sogenannte "Neue Deutsche Welle", die teilweise sogar international Beachtung fand. Ehrlicherweise muss man aber eingestehen, dass das musikalisch sensationalle wohl eher die deutschen Texte waren, und weniger die Musik, die allerdings nicht hinter dem internationalen Schnitt zurückblieb. Die Besten lieferten durch ihre interessante, trockene Reduziertheit, mit verspielter Elektronik, tatsächlich Neues. Gegen Ende der Welle wurde sie allerdings beliebig, selbst schlagerhaft, Mainstream. Fraglich bleibt ob das Ganze ohne den Marketinghype "NDW" überhaupt wahrgenommen worden wäre, doch diese Marketingstrategien der Musikindustrie gehörten eben auch zu den 80ern. Der Künstler, möglichst Live auf der Bühne das reichte nicht mehr, auch das Lebensgefühl, welches mitgliefert werden sollte, musste hinzudefiniert werden, durfte sich nicht mehr einfach aus dem Underground des Fanseins entwickeln. Wie auch immer, ein Update des elenden Schlagers, des dauernden Rucki Zucki, Fiesta Irgendwas und dazu sieben Fässer Bier und noch ne heisse Maria mit blonden Haaren und schwarzen Augen, die im Fieber liegt, weil der heisse Tanz sie ganz Holadio gemacht hat, war es allemal. Und das war auch gut so, und deshalb mal direkt zwei echte Legenden in Folge:Trio - "Da da da ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha / Sabine Sabine Sabine" 1982
TrioUploaded @ youtube by Vohaa
Rheingold - "Dreiklangdimensionen" 1980
Rheingold
Uploaded @ youtube by SolarActivity
Maschinenmusik
Doch Deutschland hatte auch echte Visionäre zu bieten, die die Aesthetik, das Feeling und die Materialität der achtziger Maschinenmusik schon 1975, letztlich in Form konzeptioneller, künstlerischer Musik vorweggenommen haben und so echte Pioniere waren, die direkt, aber auch unterschwellig, die "Neue Zeit" einläuteten, als der Rest noch im "Punk Delier" lag (einige hatten sogar noch "Grateful Death" im Schrank). Wie immer bemerkte man das in Amerika schneller als daheim. Nicht viele Worte, dafür viele Autos auf der legendären"Autobahn" 1975!
Tusch für "Kraftwerk"
Uploaded @ youtube by martk1972
no sense is the sense
In Zeiten in denen experimentiert wird, stellt sich die Frage nach dem Sinn. Fortschrittlicher Pop der 60er und 70er (der ja eigentlich Rock oder Punk war ;)) beantwortete diese Frage mit Livestyle und Politik, was vor dem Hintergrund des 60er Jahre Aufbruchs in den USA zu erklären ist. Ganz sicher war es die elektronische Gitarre die diesen Aufbruch wie kein anderes Instrument verkörpert. Man denke nur an den Auftritt Bob Dylans, als dieser das erte mal zur E-Gitarre griff und prompt von seinen eigenen Fans ausgebuht wurde. Das Instrument der 80er ist der weiterentwickelte Synthesizer, und erste Computer (Commodore64 1982). Dies sind historische Entwicklungen, die in den Siegeszug des Pop mit Beginn der 80er mündeten. Rock im klassischen Woodstock Sinne wurde zur Randgruppenerscheinung, zum Opa Sound. Die Befreiung von dem allzu engen Korsett der 40er/50er Jahre schien endgültig gelungen. Musik sollte nicht mehr politisch und gesellschaftlich befreien. Dies ermöglichte einen Einbruch des Konzeptionellen in die Musik, in den Pop. Im Nachgang lieferten eine der beeindruckendsten Leistungen natürlich die "Talking Heads" die aus dem Umfeld Brian Enos und David Byrnes entstanden. Das war dann, wie schon bei Kraftwerk eigentlich "Pop Art" und keine "Pop Musik" (natürlich mit Stärken und Schwächen, mit mehr oder weniger Anspruch). Dennoch konnte hier der gewisse KunstKick nicht übersehen werden, und zwar auf allen relevanten Ebenen, des Konzepts, der Musik, der Performance und der Lyrics. Wahrscheinlich machten "Talking Heads" klar worum es eigentlich geht, nämlich um"Stop making sense" (Girlfriend is better) 1984"
Talking Heads
Uploaded @ youtube by kkkkkklf
ahhhch - zucker , yes i sugar - grrr, uas, yes.
And the movies?
Seltsamerweise hat es im Film zunächst relativ wenig Reaktionen gegeben, abgesehen von dem gegen Ende des Jahrzehnts folgenden Lynch "Blue Velvet" ging erstmal alles weiter wie bisher, eine spezielle 80er Ästhetik war nicht zu erkennen. Allerdings gab es auch eine Ausnahmen, eine Ausnahme, die so ungewöhnlich und großartig ist, dass sie die eigentliche Wahrheit über die 80er ist. Die Ausnahme war eine "DIVA". Das französiche Talent Jean-Jacques Beineix, um den es mittlerweile ziemlich still geworden ist, schuf dieses kalte, flammende Herz des 80er Films. Alle Elemente der 80er Show wurden aufggriffen, kalte Oberfläche, Geometrisierung, messerscharfes Licht, das Gender Thema, offene scheinbar sinnlose Fragestellungen, die glitzernde Depression der Werbung, der jungen Videoszene, die sich anbahnende Computerrevolution. All dies auf einer Erde die im kalten All treibt, und den Menschen ausweglose Schicksale beschert. knallbunt in Rot und Blau, begleitet von einem Opern Soundtrack, geht es mit "DIVA" in das Herz, den Kopf und den Bauch der 80er.
"DIVA" 1981
Uploaded @ youtube by rialtomedia
Und ja, so ist es diese Frisuren und Farben brauchten unbedingt eine Arie, eine Oper um zu sich selbst zu finden. Die Kälte der Oberfläche musste durchdrungen werden von einem tiefgreifenden musikalischen Gefühl, welches naturgemäß eben in der Oper zu finden ist (Dolor, Dolor). Übrigens eine der ersten derartigen Musikmitschnitte der Filmgeschichte, sehr hellsichtig, die Technik, die uns seit den 80ern nicht mehr loslässt wird hier thematisiert, als verlängerte "Seele", als Konserve der Emotionen, wer nun an "Web 2.0" denkt, die sinnlichkeitsentleerte Wirklichkeit unserer Zeit, der denkt eben. Also überschlagen wir uns doch ein wenig mit der Konserve der :
Arie aus "DIVA"
Uploaded @ youtube by BestArts
1 und 2 und 3 und Yes und Bfff
Hmm, nun nach soviel Anstrengung wollen wir mal einen Blick auf eine wirkliche Errungenschaft der Achtziger werfen, die dem kulturinteressierten Publikum normalerweise nicht gleich einfällt, die aber für große Teile der Bevölkerung die ästhetische Erscheinung der 80er geprägt hat, wie kein anderes Phänomen. Man muss ja auch den Elfenbeinturm mal verlassen können, damit man sich dabei keine Zerrung holt lohnt es sich ein wenig AEROBIC einzulegen. AEROBIC also, irgendwie die logische Konsequenz dieses Popper Jahrzehnts. Zu den sinnentlehrten sonstigen Betätigungen musste einfach auch eine popkompatible Sportart gefunden werden, die die ganze moderne Leichtigkeit auf den Punkt bringt. Aerobic mündete dann in den unglaublich verrenkten Flaschdance von 1983. Von Anfang an richtig gut verstanden hat das Jane Fonda, geschickt verknüpft sie das relativ junge Medium Video mit den vereinsamten Vormittagen der Hausfrau. Mit Aerobic-Videos, später auch Stretch- und Yoga-Videos, schuf Jane Fonda ein Fitness-Imperium, dessen Wert auf über 600 Millionen Dollar geschätzt wurde. Nun wir zeigen hier einen Zusammenschntt, mit typisch waberndem Synthie Sound im Hintergrund.Uploaded @ youtube by fetusinfurs
Okay Leute, wir müssen nochmal zurück nach Deutschland, vor allem nach soviel Polyester, muss einfach was anderes kommen. Wer aufgepasst hat weiss nun stürzen Neubauten ein. Neubauten die gleich wirklich radikal mit allem aufgeräumt haben was möglicherweise an vorwärtsweisendem im Pop lag. Obschon (angeblich) am 1. April 1980 gegründet alles andere als ein Aprilscherz, waren die Neubauten wahrscheinlich der Antagonist des ganzen achtziger Synthie- und Popperwahns. Statt Drummachine und Synthesizer setzten sie auf ehrlichen Schrott und Müll, der die Percussion besorgte. Sympatisch sinnlich, der vorweggenommenen Datenstromwerdung allen Lebens hellsichtig entgegenstehend. Wer nun bei Wikipedia nachschlägt, stellt fest, dass auch Wikipedia, gewissen Verschwörungstheorien des Internet nicht standhalten kann, denn "Der Name der Band wurde gewählt, bevor das Dach der Berliner Kongresshalle einstürzte. Durch den Einsturz dieses deutsch-amerikanischen Symbols im Jahr 1980 erhielt der Name plötzlich eine aktuelle Dimension." Ich sag nur En-Ra-Ha (altägyptischer Kampfname des Gottes Horus);) Nun ja, wenn der Percussion Verantwortliche Unruh dann aber auch rät: „Sei schlau, klau beim Bau!“, wundert es wenig wenn so manche Neubauruine entsteht, wie auch immer - Industrial ist wichtiger, bis heute richtungsweisender, Teil der 80er, und setzt dem ewig optimistischen Popgesabber den nötigen apokalyptischen Widerpart entgegen, der aus heutiger Sicht dann doch eben nachhaltiger war. Wie feiern die Neubauten mit
Halber Mensch?
Uploaded @ youtube by pezzipez
stay tuned - demnächst mehr auf diesem Bildschirm.


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