Das Video zum Feldaufenthalt II

Fragment10 - Kunst - das ist ein kontemplativer Akt.

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Wenn der Bart nicht zum Strategen kommt, dann muss der Stratege eben zum Barte.


The truth about traveling - vom Reisen


The truth about traveling - vom Reisen - es gibt kein Reisen mehr, er gibt keinen Weg mehr, es gibt nur noch Zeit die überbrückt wird, möglichst rasch, ein ausfransen der Zeit muss verhindert werden, KILOMETER sind SEKUNDEN, sind MINUTEN, sind STUNDEN. Die Entfernung kann nicht überbrückt werden, wenn Sie allein in Zeit gemessen wird, wenn der Weg zur Zeiteinheit wird, dann erreichen wir keine räumlichen Ziele mehr "vom Reisen"
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Feldaufenthalt II - [Konjunktiv]Grabung




Die Park/Garten Grabung (Installation rekombinante- Performance) "[Konjunktiv]Grabung" wurde am 11., 12. und 13. Juli in Hildesheim, auf dem Gelände des alten Marienfriedhofs durchgeführt. Keinen Schreck kriegen, der Friedhof wird seit dem 13.3.1894 nicht mehr als Friedhof genutzt, ist lange entweiht ;), vor uns hat die Wehrmacht viel, viel tiefer gegraben, der gesamte Friedhof ist von einem Bunkersystem unterhöhlt. Seit dieser Zeit wird der Friedhof als öffentlicher Park genutzt, die Grabung fand im Rahmen des LyrikParks statt. Förderer und Unterstützer des Lyrikparks:





Foto Katharina Urbaniak

Der Film in der Grube im Koffer - sichtbar durch das Abflussrohr (als "ewiger LOOP"):


Stopmotion mit zwei Kopfskulpturen.



Die "aufgezeichnete Liveschaltung" nach Bolivien.

Dieses Material war auf dem Labtob der sich auf dem Tisch neben der eigentlichen Grabung befand zu sehen und lief ebenfalls als Loop. Die unklarheit, das Verschwimmen der Bilder korrospondiert mit dem Verschwinden der Sprache.

Natürlich kann man sowas nicht auf einem echten Friedhof machen, der Friedhof als Ort ist hier aber längst in ein Symbol überführt. Erst durch unseren Blick in den Untergrund via "Abflussrohr" wird über die Assoziationkette Werden und Vergehen, die Zeit, zu der Zeit in der der Marien"friedhof" tatsächlich noch Friedhof war gleichsam überbrückt und rückgekoppelt, natürlich virtuell. Dieser gleichsam gleichzeitige Blick macht eine Analyse des Geländes vor seinem historischen Hintergrund möglich und wirft die entscheidenden Fragen auf. Die Ankunft ersetzt die Abfahrt.

Die meisten archäologischen Grabungen finden übrigens auf alten Friedhöfen statt, da Gräber einen Zugang zur jeweiligen Epoche bieten. Was wir z.B. in den Museen sehen, die sich mit der Antike beschäftigen sind fast immer Grabbeilagen.

Schaut man einmal auf die Geschichte des Ortes Marienfriedhof so findet man eine rekombinante, so garnicht heilige Verwendung des Geländes.


Foto: Katharina Urbaniak, 2008

Beispielsweise wurden alte Grabsteine "geschreddert" um aus dem Schotter das heutige Wegenetz anzulegen. Nebenbei ist die Entscheidung welche Grabsteine bleiben, und welche nicht auch ein interessantes Schlaglicht hinsichtlich der Klassenstuktur der Erinnerung. Denn ansehnliche, erhaltenswerte Grabsteine konnten sich natürlich nur die Wohlhabenden leisten, aus den Steinen der Armen wurde der Wegeschotter. Über den Tod hinaus setzt sich die Klassengesellschaft fort.

Aus schlichter Interaktivität wird auch in unserer Performance freie Rekombination, beinahe ohne Strukturen. Das sehr sinnliche Setting der Grabung setzt eine umfangreiche Assoziationskette rund um Imagnation, Wissenschaft, Vergänglichkeit und Wandel in Gang, die permanent die Besonderheiten des Ortes Marienfriedhof abstrahiert reflektiert. Nebenbei ergibt sich so natürlich eine interessante Perspektive auf so manche Heuchelei. Die Nacht vom 11. auf den 12. Juli haben wir im Zelt auf dem "Friedhof" verbracht. Am Abend des 12. Juli waren die "Forschungsarbeiten" abgeschlossen, und der aufgebrochene Boden konnte wieder geschlossen werden. Die Installation ging nun in die Phase der Erinnerung über. In dieser letzten Phase blieben nur die Narben durch die Grabung, sowie ein Flyer mit dem Text Deadline, der von einer Feder durchbohrt am Boden befestigt wurde. Die Erinnerung der Installation wurde so dem Zufall, der Witterung, oder vielleicht den Wildpinklern überlassen, und ging den Weg alles irdischen, sie wurde eins mit den Elementen.


Foto: Katharina Urbaniak, 2008

Die Konjunktivgrabung folgt einer rekombinaten Grundstruktur, ein Werkstrom - kein einzelnes Werk. Sämtliche Bestandteile der Performance/Installation sind auch von den Rezipienten strukturell veränderbar/benutzbar. Ausnahme war das Zeltinnere, welches zur Intimzone erklärt wurde: Betreten Verboten! In wenigen Momenten erstarrt die Installation/Performance zu einem Werk, nur um dieses Werk durch den Material- und Rezipientenstrom wieder hinfortszuspülen und neu zusammenzusetzen. Der Abfluss, die Kanalisation als herausragende zivilisatorische Leistung. Was einem ja jeder Fremdenführer in den antiken Ruinen von Irgendwas um die Ohren haut, wie es auch die Erinnerung an viele Choleratote auf dem Marienfriedhof tut. Noch Anfang des 20 JH. entstanden unterirdische Prachtbauten, wie etwa der Kronleuchtersaal in Köln.

Dabei wird auf jeden (heuchlerischen) Pathos verzichtet.

Der Lyrik als literarische Form entspricht die Komprimierung auf ein einzelnes pulsierendes Setting. Ein Gedicht konzentriert, bestenfalls, den Roman/die Novelle auf wenige Zeilen, und erreicht so eine große "Dichte", in der die ganze Kraft der Lyrik geborgen ist. (Gelänge dies doch auch dem Autor. Anm. d. Red.)(Hach ich könnt noch Stunden erzählen und kombinieren Anm. d. Auto.)

Materialliste:

Insgesamt war wichtig möglichst unauffällig, beinahe "subversiv" - "getarnt" als Tiefbaumaßnahme zu arbeiten, damit die Besucher zunächst den Eindruck haben es handle sich um eine Maßnahme der Stadt oder ähnliches. Erst wenn der Besucher den Schriftzug auf dem Schild gelesen hat wurde er skeptisch, und neugierig. Dies gelang halbwegs, obschon wir natürlich im Programm aufgeführt waren. Dennoch vernahmen wir Gesprächsfetzen von Passanten, die darauf hinwiesen, dass diese Menschen gedacht haben es handele sich um eine Tiefbaumaßnahme. Uns war der Verlauf besonders der des dritten Tages nicht von vornherein klar, am Ende haben wir entschieden, dass die Erinnerung einen ganzen Tag braucht, an dem nur noch sehr leichte und geringe Spuren der Grabung zu sehen sind. So setzten wir die Grassoden wieder ein und achteten darauf, dass man im Prinzip nur noch kleine Narben sieht. Natürlich war der Boden ziemlich niedergetrampelt, das Loch der Grabung aber war verschlossen, und nicht mehr erkennbar. Eine Feder im Boden die den Text "Deadline" fixierte ließen wir zurück. Die hervorragend organisierten Veranstalter haben wir nur zum Teil in den ganzen Ablauf eingeweiht was wichtig war um Zufälle möglich zu machen, wie z.B. Fundstücke - Tisch, Pavilion etc.. Insgesamt also ein im Prinzip



Foto Katharina Urbaniak
völlig offenes Konstrukt dessen genauer Ablauf erst während der Veranstaltung improvisiert wurde.

Zu den Filmzitaten nur soviel -Film ist dem Wesen nach Konjunktiv, immer und ohne jede Außnahme, der (Spiel)Film ist reine Spekulation (Selbst wenn es so schön heisst:"Dieser Film basiert auf wahren gegebenheiten."). ein einziges was wäre wenn - Film ein Band zwischen Realität und Imagination. Es konnte unserer Meinung nach keine Diskussion zum Konjunktiv geben ohne den Film in irgeneiner Art und Weise mit einzubeziehen. Wie im Falle des 2001 Monolithen wurden die Zitate aber auch weitergesponnen, der optimistischen, fortschrittsgläubigen Haltung Kubricks, wird ein weniger monumentaler und unförmiger shwarzer "Stein" entgegengesetzt, ein Stein freilich welchem immer noch die Möglichkeit der Zündung, des Feuers innewohnt, denn es handelt sich ja um Kohle, übrigens ein Fundstück aus der Gegend um Satzvey (Mechernich)

Das oben mal als Assoziationskettenschmiede, natürlich bleibt alles weitere offen.
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Vor Ort verteilter Flyer als PDF

[ zum Video vom Feldaufenthalt II ]

[Konjunktiv]Grabung:

vielen.dank
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